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Die Wirkung Codierungsarten im Vergleich

Vergleicht man nun die unterschiedlichen Codierungsarten miteinander, stellt man drastische Unterschiede in ihrer Wirksamkeit fest. Aber auch die subjektive Beurteilung einer Codierungsart kann weit von dem durch Leistungskriterien, wie zum Beispiel Zeitbedarf und Fehlerrate, vorgegebenem Optimum abweichen. So bevorzugten Piloten in einem Test die Farbcodierung mit der Begründung, daß die Darstellung weniger eintönig, weniger anstrengend und weniger ermüdend sei. In vergleichenden Versuchen wurde jedoch gezeigt, daß die Farbcodierung zwar Codealphabeten überlegen ist, die auf Helligkeit und Kontrast oder Formunterschieden beruhen, jedoch ist die Farbcodierung der alphanumerischen Codierung deutlich unterlegen. Man stellte fest, daß Farbe die Erkennungssicherheit anderer Codes sogar negativ beeinflussen kann.

Ein Leistungstest bezüglich der Identifikationsleistung ergab, daß bei der Identifikationsleistung allein die Struktur relevant ist. Der Einfluß der Codierung farblich oder kontrastcodiert war bei gut strukturierten Massen praktisch irrelevant, bei schwachstrukturierten Massen wird die Wahrnehmungsleistung durch Farb- oder Kontrastcodierung sogar um 20 bis 30 % verringert. Die Identifikationsleistung bei unterschiedlichen Informationsblöcken hing lediglich von dem Abstand zwischen den Informationsblöcken ab, nicht jedoch von der Farbcodierung.

Redundante Codierung

In komplexen grafischen Strukturen ist es für uns oft schwierig, die für eine Unterscheidung relevanten Merkmale zu erkennen. Wir versuchen also, unsere Codezeichen mit besonders markanten Attributen auszustatten, um die Erkennungssicherheit zu erhöhen.

Nehmen wir als Beispiel ein Verkehrszeichen, explizit ein Warnzeichen. So ist das Warnzeichen für eine Baustelle eine iconhafte Darstellung einer schaufelnden Figur. An sich ist diese Bildzeichencodierung schon geeignet, ihren Inhalt verständlich an den Betrachter zu übermitteln. Nur wird alleine dieses schaufelnde Männchen wohl kaum die Aufmerksamkeit erringen, die es als Warnzeichen beanspruchen muss. Also fügen wir eine weitere Codierungsart hinzu. Wir stellen das Männchen in ein Dreieck. Eine Form, die prädestiniert ist, unsere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. - Wie wir aus dem Kapitel der Gestalterkennung wissen, richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf Formen aus, in denen sich Richtungen schneiden und Ecken bilden. Die einfachste, am schnellsten zu erfassende geometrische Form, auf die das zutrifft, ist das Dreieck. - Unser Warnzeichen ist nun zweifach codiert. Einmal durch die Form des liegenden Dreiecks, das das Schild durch seine Form als Warnschild kategorisiert, und durch die Bildzeichencodierung, die das Warnschild weiter spezifiziert. Nun ist die Auffälligkeit dieses Schildes in unserer codeüberfluteten Umwelt, in der eine Werbeinformation der anderen die Show stehlen will, immer noch nicht ausreichend. - Farbe! Wir geben dem Ganzen noch einen roten Rand. Die Farbcodierung kommt hinzu. Unser Warnschildsetzt sich letztendlich aus drei Merkmaldimensionen zusammen: Geometrische Form, Bildzeichen und Farbe.

Kommen wie in diesem Fall mehrere, sich unterstützende Merkmaldimensionen eines Reizes zusammen, spricht man von einer redundanten Codierung. Im Extremfall, wenn jede Merkmaldimension für sich alleine zur Klassifizierung ausreicht, spricht man von einer vollständigen Redundanz. Die Redundanz einer mehrfachcodierten Informationseinheit lässt sich ermitteln. Sie ist die Differenz aus dem maximalen mittleren Informationsgehalt der Merkmaldimensionen und dem tatsächlichen, maximalen Informationsgehalt der mehrfachcodierten Einheit. Bei vollständiger Redundanz eines aus zwei Merkmaleinheiten bestehenden Zeichens wäre der Informationsgehalt der einzelnen Merkmaldimensionen für sich betrachtet jeweils 100 %. Der ermittelte Mittelwert also ebenfalls 100 %. Die Differenz aus dem Mittelwert der Merkmaldimensionen und dem 100% igen tatsächlichen Wert der mehrfachcodierten Einheit also 0. Bei unserem Beispiel, dem Warnschild, sagt keine Merkmaldimension für sich alleine aus: „Achtung Baustelle!“ Der Mittelwert des Informationsgehalts der Merkmaldimensionen liegt also unter 100 %. Somit liegt hier keine vollständige Redundanz vor. Der sich aus der Differenz ergebende Wert gibt nun den Grad der Redundanz an. Im schlechtesten Fall liegt er bei 100 %, keiner Redundanz, was man sich zum Beispiel bei der zusätzlichen Codierung des Wortes „ROT“ durch grüne Farbe vorstellen kann. Der Effekt der Redundanz wird also dazu verwandt, die Erkennungssicherheit eines Codes zu steigern, so dass - wie in unserem Beispiel mit dem Warnschild - der Informationsgehalt des gesamten Zeichens erhöht wird. Farbe kann in redundanter Verwendung etwa die Suchzeit reduzieren, vorausgesetzt, dem Betrachter ist die Farbe des Suchziels bekannt.

Einschränkungen der Codierung

Da der Mensch in seiner Fähigkeit, formale Unterschiede wahrzunehmen,doch sehr eingeschränkt ist, sollte man darauf achten, eine je nach Codierungsart variierende Anzahl von Codestufen nicht zu überschreiten. So kann man bei einem eindimensionalen Reiz, wie es zum Beispiel die Codierung einer Linie durch ihre Dicke darstellt, nur eine begrenzte Anzahlvon Linienstärken unterscheiden. Eine Überschreitung dieser Höchstzahl führt demnach vermehrt zu Fehldeutungen. Die Beschränkung auf einen in Anhang III empfohlenen Codierungsumfang ist demnach anzuraten.

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