Wir leben in einer Gesellschaft, in der das höchste Gut kein Ding mehr ist, sondern ein Abstrakt. War früher ein Ding nach seinem Gebrauchswert gemessen, so überwiegt heute seine Funktion als Informationsträger.
In unserem Streben nach Besitz sammeln wir dem nach keine Dinge mehr, sondern archivieren Informationen. In diesem Sinn muß man McLuhan durchaus beipflichten, wenn er die Apparate als nach außen gelagerte Sinnesorgane bezeichnet, sieht man sie als Schnittstellen zu Informations- Archivierungs- Systemen. Anders wäre es uns nicht mehr möglich, die mittlerweile angesammelte Menge an Information zu verwalten und vor allem zugänglich zu halten.
Aus dem Bedürfnis, Information schnell zu erhalten und aus zu tauschen, erklärt sich auch der Boom des Internets als Medium. Das Internet bietet eine soziale Gemeinschaft von Informationstauschern, losgelöst von körperlicher Präsenz und der Bindung an Zeit und Raum.
Das Internet spiegelt aber nur die technische Weiterentwicklung eines Prozesses wider, der schon mit der Erfindung der Schrift begann, als Sprache durch Schreiben zum archivierbaren Gegenstand wurde; Menschen in der Lage waren, Schriftstücke zu lesen, die eine andere Person an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit verfasst hatte.
Aus der Zielsetzung des Informationsaustausches heraus ist es evident, daß die im Internet gespeicherten Informationen auch nutzbar, zugänglich, sein müssen. Es genügt nicht Information nur abzulegen. Die Möglichkeit, auf sie problemlos zugreifen zu können, ist ebenso wichtig. Denn nur der Zugriff hält die digital archivierte Information am Leben, gibt ihr die Möglichkeit, sich zu verbreiten und zu vermehren.
In der makroskopischen Struktur des Internets versuchen Verzeichnisse oder Suchmaschinen, Informationen für die Benutzer zugänglich zu halten. In der Mikrostruktur einer Web-Site ist es die Aufgabe des Webmasters oder Designers, die enthaltene Information durch die Gestaltung der Web-Site zugänglich zu machen.
Gestaltung ist aber abhängig von der Technologie und dem Medium. Unter der Prämisse der Zuganglichkeit zur Information ist es kein guter Ansatz eine Internetseite so zu gestalten, wie wir es von Printmedien oder Film gewohnt sind. Auch ein Ansatz der bloßen Ästhetisierung der Oberfläche wird dem Anspruch einer effektiven Informationsstruktur nicht gerecht. Man gestaltet im Internet weder Momente noch Abläufe. Man gestaltet zusammenhängende Momente. Standbildaufnahmen, bei denen der Nutzerselbst die Reihenfolge und Geschwindigkeit festlegt.
Die Möglichkeit des Nutzers, auf unterschiedliche Informationstiefen nonlinear zuzugreifen, erfordert einen Gestaltungsansatz, der genau hier, an der Information, ansetzt. Internetgestaltung beginnt bei der Informationsstrukturierung. Die visuelle Gestaltung ist das Resultat eines Vorganges der Informationsstrukturierungs.