Interaktive Medien, darunter besonders das Internet, vermitteln gerne den Anschein unbegrenzter Interaktion, der freien Auswahl des nächsten Schrittes, den man tut. Aber ist nicht so, dass sobald wir uns auf einer Netzseite befinden, jegliche Entscheidungsmöglichkeit vorgedacht und dadurch erst ermöglicht wurde? Der Gestalter entscheidet also im Vorfeld darüber, wie weit und vor allem wohin die Freiheit des Nutzers geht. Ist man sich dessen bewusst, ist es für den Gestalter von Internetseiten geradezu unumgänglich, mit dem sich hieraus ergebenden Instrumentarium zu arbeiten.
Im Nutzer, der das Gefühl hat sich frei bewegen zu können, entsteht ein Gefühl der Selbstbestimmtheit. In dieser Verfassung ist er für dargebotene Information empfänglicher. Und gelangt er nun auch noch schnell und problemlos an die von ihm gesuchte Information, stellt sich bei ihm ein Gefühl der Zufriedenheit ein. Was will man mehr? Schon die Kaufleute im Altertum wußten: Zufriedene Kunden kommen wieder.
Denn sind die Informationen, zu denen der Nutzer primär geleitet wird, für ihn unerheblich und nur ein lästiger Zeitverlust, kommt er sich an der Nase herum geführt vor. Schneller als uns lieb sein kann, hat er die nächste URL eingegeben. Er verläßt die Internetseite, ohne den Drang zu verspüren, sie jemals wieder zu besuchen. Gestaltung ist also nicht Ziel, sondern Mittel. Mittel der Informationsstrukturierung. Der Gestalter entwirft Strukturen und Verfahren, die das Visuelle beinhalten, aber weit darüber hinausgehen. Er schafft einen Raum, indem sich der Nutzer frei bewegen kann, ohne zu merken, dass er an der Hand genommen und geführt wird.