
Ein Inhalt ist nur so viel wert, wie er verstanden wird. Dieser Ausspruch mag an eine Binsenweisheit erinnern, doch führt man sich vor Augen, wie viel Information an uns unbeachtet vorüberzieht, wird die Bedeutung dieses Satzes klar. Um so schlimmer, wenn der Grund dafür, dass Information nicht an ihr Ziel kommt, beim Gestalter des informationstragenden Mediums liegt. Der Gestalter setzt sich mit dem Problem der Informationsvermittlung auseinander. Bei der Internetgestaltung steht der Gestalter einem Medium gegenüber, bei dem er all seine Gestaltungsregeln und Strukturierungsansätze neu hinterfragen muss. Das Medium Internet ist zu neu und in zu steter, schneller Weiterentwicklung, als dass er sich wie im Printbereich auf eine Jahrhunderte währende Tradition stützen könnte. Wir, die wir jetzt noch am Beginn der „vernetzten Zeit“ stehen, sind mit den analogen Medien aufgewachsen. Wir wissen, wie man für analoge Medien einen Text schreibt, wie das Seitenlayout zum Beispiel einer Zeitschrift auszusehen hat. Und trotzdem werden wir auch hier immer noch überrascht von anderen Designauffassungen und Schreibstilen. Nichts desto trotz beherrschen wir das analoge Metier. Wir haben ein Regelwerk, nach dem wir vorgehen können. Wir haben unsere Erfahrung und die Erfahrung vieler Generationen vor uns, die wir bei der Gestaltung nutzen können. Mit diesem Rüstzeug ausgestattet - gehen wir daran, Internetseiten zu gestalten. Wir gestalten die Netzseiten, wie wir es gewohnt sind zu gestalten. Wir schreiben unsere Texte, wie wir es im Deutschunterricht gelernt haben, gut im Aufbau. Nur vergessen wir dabei oft, dass Gestaltung und Text nur in Abhängigkeit zum Medium zu betrachten sind. In Netzwerken ist die Gesamtstruktur komplett unterschiedlich zu der Struktur analoger Medien, wie zum Beispiel zu der eines Buches. Vor allem die Informationsstrukturierung unterscheidet sich von der analoger Medien. Wie kann man dann erwarten, altbekannte Strukturen, wenn auch modifiziert, auf diesen komplett unterschiedlichen Unterbau aufsetzen zu können. Alleine die vorherrschende Auffassung der Internetnutzer, das gesamte Netz als homogene Struktur zu sehen, gibt schon Aufschluss über die großen Unterschiede zwischen Internetgestaltung und der Gestaltung analoger Medien. Um den vollen Nutzen aus dem Internet zu ziehen, muss sich der Gestalter zu allererst bewusst sein, mit welcher Erwartung, Einstellung und nicht zuletzt mit welchen Fähigkeiten der Internetnutzer an eine Internetseite geht. Die Erwartungen, mit denen ein informationsorientierter Internetbenutzer an eine Seite herantritt, sind mit drei Adjektiven einfach zu beschreiben: leicht, schnell und unterhaltsam. Eine Internetseite, an die ein Besucher herantritt, muss für ihn leicht zu verstehen sein, in ihrer Funktionsweise einsichtig und konsistent. Der Designer setzt sich also über das Problem der Decodierbarkeit hinaus auch noch intensiv mit der Informationsaufbereitung in Form der Informationsstrukturierung auseinander. Die Aufgabe des Designers im Bereich des Interface-Designs ist es, eine dem Inhalt entsprechende, leicht decodierbare Encodierungsstruktur zu schaffen. Im Bereich der Informationsstrukturierung ist seine Aufgabe, Inhalte so strukturieren und zu interpretieren, dass sie dem Menschen, den sie erreichen sollen, verständlich sind.Vor allem muss er durch die Informationsstruktur in Verbindung mit dem zugehörigen Interfacedesign schnell zu der von ihm gesuchten Information geleitet werden. Der Wandel von einer eindimensionalen Linearität zu der mehrdimensionalen Informationsstruktur des Internets fordert vom Designer, sich mit den medienspezifischen Eigenschaften zu beschäftigen. Der Designer muss Strukturen entwickeln, in denen der Benutzer nicht das Gefühl vermittelt bekommt, seiner Zeit beraubt zu werden oder sich in der Vernetzungsstruktur zu verlieren. Denn letztendlich ist der Internetnutzer immer noch an Inhalten interessiert und weniger an der dafür genutzten Technologie oder Software.