Im Internet gibt es kaum mehr eine Internetseite ohne irgendwelches Bildmaterial. Die Seiten sind bunt und farbenfroh. Die Texte sind in die grafische Gestaltung integriert. Hier blinkt etwas und da gibt eine Grafik Aufschluß über irgendwelche Zahlen. Irrelevante Buntheit lenkt allzuoft von relevanter Information ab. Es ist richtig, daß Internettexte Zeichenkomplexe aus Schrift, Grafik und Bild sind. Doch gerade aus diesem Grund ist es besonders wichtig, daß sich dekorative Elemente nicht mit Textelementen mischen und dadurch die Textverständlichkeit beeinflussen. Keine Frage, dekorative Elemente haben ihre Berechtigung. Nur müssen sie als solche sofort zu erkennen sein, um nicht unnötig kognitive Ressourcen in Anspruch zu nehmen. Ebenso müssen sich auch die grafischen Elemente des Textes klar in diesen eingliedern. Diese strenge Trennung von Information und Dekoration ist bei Internettexten wichtiger als bei anderen Textarten. Denn Internetext muß vor allem einer Anforderung genügen. Er muß schnell gelesen werden können. Visuelle Mittel auf Internetseiten sollten eigentlich nur eine Funktion haben: Die Verständnisgeschwindigkeit zu erhöhen. Die formale Gestaltung eines Textes beginnt bei der in ihm angewandten Typografie. Und der Gestalter sollte ruhig seine typografischen Kenntnisse anwenden, um einen Text erfaßbarer und verständlicher zu machen. Die Wahl der Schriftart, in der der Text angezeigt wird, ist ein erster Schritt, der über die Lesbarkeit und damit auch die Qualität eines Textes mitentscheidet. Es ist also wichtig, eine auf Bildschirmen gut lesbare Schrift zu wählen und dies in einer Größe, die dem Leser keine Augenschmerzen verursacht. Wie die Schrift nicht zu klein sein darf, dürfen die Zeilen auch nicht zu lang geraten, um ein flüssiges Lesen zu gewährleisten. Alleine mit den Mitteln der Typografie ist es bereits möglich, die Textstruktur herauszuarbeiten und einen Text überschaubar, scannbar zu machen. Überschriften können betont werden, indem man einen größeren Schriftgrad wählt oder einen anderen Schriftschnitt. Stichpunkte können einfach durch ihre Auszeichnung als Italic oder bold betont werden. Abschnitte können durch Zeileneinzüge oder Zeilenabstände usw. voneinander getrennt werden. Linien, Kästen oder Farbflächen sind einfache grafische Elemente, die einen Text gliedern und gewichten können. Als Diener der Textstrukturierung sind diese relativ einfachen Mittel äußerst effektiv. Als Zierformen, wenn sie nicht eindeutig als solche ausgezeichnet sind, bergen sie aber die Gefahr, das Lesen zu erschweren. Dies ruht in ihrer hohen strukturierenden Wirkung. Eine Linie hat immer etwas Trennendes in einer Richtung und etwas Verbindendes an ihren entgegengesetzten Enden. Eine Fläche oder ein Kasten hebt seinen Inhalt hervor und trennt ihn dadurch auch gleichzeitig von seiner Umgebung ab. Es ist deshalb Vorsicht angebracht, setzt man diese Formen einzig zur Dekoration ein, da sie in ihrer strukturierenden Wirkung eine Struktur erzeugen können, die der Textstruktur nicht entspricht. In multimedialen Texten ist Bildmaterial nicht nur begleitend, Bildmaterial wird zum festen, internen Bestandteil der Texte. Man könnte dies als Entwicklung sehen, daß die multimediale Gesellschaft das konventionelle Lesen wieder zugunsten einer Bildersprache verlernt. Nun ist Sprache, und als ein Teil von ihr auch die Schrift, immer einer Entwicklung unterworfen. Und die entstehende Form des Textes trägt der gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung. Eine schnelle, informationsorientierte Gesellschaft braucht eben schnell zu erfassende Texte. Die entstehenden Texte reagieren in der Art ihres Aufbaus auf ein entstandenes Leseverhalten und dadurch auf die Bedürfnisse der Gesellschaft. Die Synthese von Text und Bild zu einem Zeichenverbund machen die neue Textart schneller erfaßbar, da alphanumerischer Text als auch Bildmaterial ihre spezifischen Vorteile ausspielen können. Bei diesen Internettexten ist es wichtig, daß sich alphanumerischer Text und Bild ergänzen und eine informelle Einheit bilden, denn Bildmaterial ist in diesem Zusammenhang nicht mehr als Ergänzung zum Text zu verstehen, sondern als integrierter, fester Bestandteil. Dem Bildmaterial kommt hier ein neuer Schwerpunkt zu. Liegt das Augenmerk bei Bildern bisher auf behaltensfördernder oder veranschaulichender Wirkung, so muß in Internettexten der Einfluß von Bildmaterial auf die Verständnisgeschwindigkeit von Texten untersucht werden. Es gibt demnach drei Bilderarten im Internet. Neben den textinternen Bildern gibt es auch noch die zwei altbekannten Arten, die den Text unterstützenden Bilder und die dekorativen Bilder. Der Unterschied textinterner Bilder zu textunterstützenden Bildern liegt darin, daß die textinternen Bilder keine Textinhalte verdeutlichen oder interpretieren. Sie sind selber inhaltstragender Bestandteil des Textes. Als bildcodierter Teil des Textes sind sie dem alphanumerisch codierten Teil gleichberechtigt zur Seite gestellt und bilden erst mit ihm zusammen den Text. Die Wahl der Codierungsform bei der Texterstellung richtet sich ausschließlich danach, mit welcher Codierungsart der Text am schnellsten aufgenommen werden kann. Textinterne Bilder veranschaulichen demnach Zusammenhänge, die nicht oder nur sehr umständlich geschrieben werden können. Textunterstützende Bilder sind Bilder oder Illustrationen, die eine im Text enthaltene Information verdoppeln oder erklären. Sie leisten also eine Hilfestellung bei dem Prozeß, eine in einem Text enthaltene Information zu verstehen oder zu memorieren. Wie sie das am besten leisten, in einer darstellenden, den Textinhalt wiederholenden Form, oder einer analogisierenden Form, ist der Zweckmäßigkeit unterzuordnen oder kann Stilmittel sein. Auf jeden Fall muß die Darstellung in engem Zusammenhang mit dem Text stehen und die Aufmerksamkeit gezielt auf das Wesentliche der Information lenken. Dekorative Bilder müssen nicht unbedingt im engen Textkontext stehen. Thematisch sollten sie sich jedoch, sind sie nicht völlig abstrakt in ihrer Darstellung, grob dem Inhalt zuordnen lassen.Wie ihre Bezeichnung schon Aufschluß gibt, sind sie rein dekorativen Charakters und sollten dies auch zeigen. Eine Zuordnung zum Text kann sich auf das Textverständnis nur negativ auswirken.